Die Begriffe im Schwingen sind für den Laien zugegeben manchmal schwierig zu verstehen. Hier habe ich deshalb ein kleines Glossar erstellt.

Ursprung: Die älteste Darstellung des Schwingens in der Schweiz, die es damals – 1275 – noch gar nicht gab, findet sich auf dem ehemaligen Chorgestühl der Kathedrale Lausanne. Es zeigt das Schwingen bzw. das Ringen zwischen Tugend und Laster, zwischen Vernunft und Versuchung.

«Der Baltzli Zibach hat an einem hl. Sonntag mit Schubalzlis Knecht geschwungen. Sind sie 12 Stund in Gefangenschaft erkent worden», wird 1617 in Grindelwald festgehalten. Die ältesten schriftlichen Belege des Schwingens sind Bussen oder Verbote. Tanzen, Kegeln, Jassen und auch Schwingen waren keine harmlosen Vergnügungen, sondern unheilige Tätigkeiten, Dornen in den Augen der Obrigkeit.
Auf der Unspunnenmatte in Interlaken wurde 1805 im Rahmen eines grossen Älplerfests der moderne Schwingsport begründet. Der Unspunnen-Schwinget, seit 2006 auf einem neuen Festplatz ausgetragen, ist einer der drei eidgenössischen Anlässe und gehört heute zu den wichtigsten Sportveranstaltungen – wenn er denn, wie zuletzt 2017, stattfindet. 1981 und 2006 gewannen hier mit Leo Betschart und Martin Grab zwei ISV-Schwinger. Wir freuen uns auf 2029. Mit 34 Jahren wird Piri zu den gefürchteten Routiniers gehören.
Der heute alle sechs Jahre stattfindende Kirchberg-Schwinget wurde von drei ISV-Schwingern gewonnen: 1962 Hans Bühler, 1978 Hans Kopp und 1990 Geni Hasler. Wer wird, vielleicht schon 2020, der nächste ISV-Sieger?
Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest findet seit 1895 statt. Es ist der alle drei Jahre wiederkehrende Höhepunkt des Schwingsports – 2019 in Zug. Bei seinem Heimschwinget ist Piri zweifellos besonders motiviert.

Der Sieger des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests ist für drei Jahre der einzige König der Schweiz: Die letzten fünf gekrönten Häupter sind Christian Stucki (2019), Matthias Glarner (2016), Matthias Sempach (2013), Kilian Wenger (2010) und Jörg Abderhalden (2007). Der erste und einzige König aus dem ISV ist Harry Knüsel, der 1986 Ernst Schläpfer besiegte. Er ist wie Piri Mitglied des Schwingklubs Cham-Ennetsee.

Der Innerschweizer Schwingerverband ist einer von fünf Teilverbänden des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) und wurde 1893 gegründet. Ihm gehören die sechs Kantonalverbände Ob- und Nidwalden (gegründet 1890), Uri (1917), Zug (1917), Luzern (1919), Schwyz (1923) und Tessin (2012) an. Höhepunkt der Verbandssaison ist jeweils im Juli das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest, 2019 am 7. Juli in Flüelen. 2018 in Ruswil belegten beim 112. Innerschweizerischen Schwingfest Christian Stucki, Joel Wicky und Christian Schuler bei 202 Teilnehmern gemeinsam den ersten Rang.
Die besten 15 bis 18 Prozent der Schwinger der wichtigsten Schwingfeste werden mit einem Kranz ausgezeichnet. Sie benötigen dazu in der Regel mindestens 56,50 Punkte. Der ISV hat bis Ende 2018 1525 Kränze erschwungen, nur der Bernisch-Kantonale Schwingverband (BKSV) war mit 1569 noch etwas erfolgreicher. Im Jahr 2018 ging das Duell aber 252:219 Kränzen deutlich an den ISV.
Derzeit gibt es im ISV weit über 200 aktive Kranzschwinger. Piri Reichmuth liegt mit 10 Kränzen, davon 1 Eidgenössischen, etwa an 50. Stelle. Doch sein
26 Schwinger haben bislang mindestens 100 Kränze erschwungen. An der Spitze liegt Arnold Forrer mit 145 Kränzen. Die erfolgreichsten ISV-Schwinger sind Martin Grab mit 125 Kränzen, Adrian Laimbacher mit 105 und Eugen Hasler mit 101 Kränzen.
Umgangssprachlich werden die besten Schwinger – und damit die Träger eines eidgenössischen Kranzes – die Bösen genannt. Das ist insofern falsch, als im Schwingsport Fairplay grossgeschrieben wird und eigentlich alle Gute sind. Aus Sicht der Innerschweizer sind die Berner besonders böse – im Jahr 2018 traf dies aber nicht zu. Da waren die ISV-Schwinger erfolgreicher.

Die Schwinger treten in zwei verschiedenen Bekleidungen an. Als Turnerschwinger werden die Schwinger mit weisser Hose und weissem Shirt bezeichnet. Sie stammen zumeist aus einem Turnverein. Geschichtlich wurden die Städter als Turnerschwinger bezeichnet, während die Sennenschwinger als ländliche Schwinger galten. Zwischen Sennen und Turnern besteht eine gesunde Rivalität. Piri ist ein Senne, eigentlich aber ein Metzger und angehender Physiotherapeut.

Eine vor allem in der Schweiz ausgeübte Variante des Freistilringens, ausgetragen auf Sägemehl. Auch Hoselupf genannt.
Die besten Schwinger beherrschen über 20 verschiedene Schwünge. Teilweise tragen sie malerische Namen wie Brienzer, Gammen, Grittelen, Kurz, Münger Murx, Schlungg oder Wyberschwung.
Er ist vor allem bei körperlich unterlegenen Schwingern beliebt. Der Gegner wird mit einem kräftigen Ruck und der eigenen Fallgeschwindigkeit (gegen hinten) im letzten Moment des Fluges auf den Rücken gedreht. Es besteht aber das Risiko, dass der Gegner dem Angreifer zwischen die Beine greift und dieser selbst auf den Rücken fällt.
Grittelen: Im Bodenkampf kniet der Angreifer im rechten Winkel zum Gegner hin, umfasst beim Verteidigenden mit beiden Händen das entfernte Bein und reisst ihn auf. Einmal aufgerissen, hat der Angreifer einige Optionen, um den Gegner auf den Rücken zu kehren
Der wohl häufigste Schwung überhaupt, von dem es aber verschiedene Varianten gibt. Die gängigste ist eine Körpertäuschung nach links, um anschliessend mit dem linken Bein zwischen die Beine des Gegners zu gelangen. Mit festem Griff folgt dann eine Drehung nach rechts.
Ein bekannter Schwingergriff im Bodenkampf. Der Gegner wird mit dem Knie am Kopf fixiert und mit roher Gewalt zieht der Angreifer an den Hosen. Über den eigenen Kopf wird der Gegner damit auf den Rücken gedreht.
Der Brienzer kann vorwärts wie auch rückwärts gezogen werden, wobei die erstere Variante öfter zu sehen ist. Er ist eine der effektivsten Waffen für Schwinger mit körperlichem Nachteil. Der Angreifer fasst Griff über die Schulter am Gurt des Gegners. Er hängt mit dem Bein beim Gegner ein, packt mit der anderen Hand dessen Oberarm. Er hebt das Bein an und leert nach vorne rund ab. Beim Brienzer rückwärts wird der Fuss des Gegners mit dem eigenen Fuss fixiert und mit einer Drehbewegung, meistens verbunden mit einem Kopfgriff, rückwärts gegen hinten abgeleert.
Ein klassischer Angriffsschwung, den die Zuschauer oft zu sehen bekommen. Dazu hakt der Angreifer entweder mit seinem linken Bein am rechten des Gegners oder umgekehrt ein. Mit gleichzeitigem Vorwärtsdruck aus dem Oberkörper wird der Gegner rücklings aus dem Gleichgewicht gebracht.
Dieser anspruchsvolle Schwung, gleichsam mit Frauenlist umgesetzt, führt in der Regel zum Plattwurf. Der Angreifer attackiert den Gegner mit einem Gammen (siehe dort), klemmt dann das gegnerische Bein mit den eigenen Beinen ein und hakt nachher übers Kreuz mit dem anderen Bein ein. Dadurch ist der Gegner in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt und kann sich kaum mehr ausdrehen.
Jede Saison werden sechs Bergkranzfeste durchgeführt, die wegen ihrer speziellen Ambience bei den Schwingern sehr beliebt sind. Als Bergklassiker werden der Brünig-Schwinget und der Schwägalp-Schwinget bezeichnet. Weitere Bergkranzfeste finden auf dem Weissenstein, auf der Rigi, auf dem Stoos und in Schwarzsee statt.
Seit nur noch einen Schwingerkönig geben kann, werden punktgleiche Schwinger «Erstgekrönte» genannt. Erstmals kam dieser Begriff in den 40er-Jahren auf, nachdem wegen Passivität in den Schlussgängen 1945 und 1950 kein Königstitel vergeben wurde. Letztmals wurde Eugen Hasler 1989 in Stans zum Erstgekrönten ernannt.
Der Nationalsport Islands ist eine der bekanntesten verwandten Sportarten vom Schwingen.
Ein Nebenprodukt des Holzsägens, das dank dem Schwingsport zu Berühmtheit gelangt ist. Beim Eidgenössischen muss der Sägemehlring einen Durchmesser von 14 Metern betragen.
Die Gänge 7 und 8 bei einem Eidgenössischen Schwingfest.

Bezeichnung der Schwinger für ein Unentschieden, wenn in der vom Kampfgericht bestimmten Zeit keine Entscheidung fällt. Um offensives Schwingen zu belohnen, gibt es für einen Gestellten zwar leicht bessere Noten als für eine Niederlage, aber deutlich weniger als für einen Sieg.

1980 fand in Aeschi bei Spiez das erste Schwingfest für Frauen statt. Seit 1992 sind sie in einem eigenen Verband organisiert. Im Gegensatz zu den Schwingern wird bei den Frauen jedes Jahr eine Schwingerkönigin erkoren.
Die berühmten hell- und dunkelbraunen Schwingerhosen sind aus Zwilch und handgefertigt. Der Zwilch muss importiert werden, und es gibt auch nur wenige einheimische Unternehmen, welche diese Hosen produzieren. Die Beinabstösse der Schwingerhosen werden übrigens als Gestöss bezeichnet.

Aufgrund von Verletzungen oder ungeraden Teilnehmerzahlen kann es sein, dass es im letzten Gang eines Schwingfestes zu Zusatzgängen für einzelne Schwinger kommt. Einen Viertelpunkt gibt es nur dann, wenn man seinen Zusatzgang gewinnt. Bei einer Niederlage oder einem Gestellten gibt es keine Punkte. Einen Zusatzgang gibt es auch, wenn ein Schwinger vor dem Schlussgang 1.50 Punkte Vorsprung hat, was zuletzt 2013 am Eidgenössischen Schwingfest mit der Paarung Christian Stucki gegen Matthias Sempach der Fall war.

Die beiden ersten Gänge an einem Schwingfest heissen Anschwingen, die Gänge 3 und 4 Ausschwingen und die Gänge 5 und 6 Ausstich. Im ersten Gang des Anschwingens werden jeweils die besten Schwinger gegeneinander eingeteilt. Meist bietet daher der erste Gang die grösste Unterhaltung, bis es um den Kampf für die Schlussgangteilnahme geht. Das einzige Schwingfest mit acht Gängen ist das alle drei Jahre stattfindende Eidgenössische Schwingfest. Dieser Wettkampf ist aber auf zwei Tage verteilt. Die Gänge sieben und acht heissen am ESAF Kranz-Ausstich.

Bezeichnung für eine Maximalnote (10,00). Als Plattwurf gilt ein Wurf auf den Rücken, wenn am Boden nicht nachgedrückt werden muss. Ein Sieg mit Nachdrücken ergibt die Note 9,75. Für Gestellte erhält man die Note 9,00 oder 8,75 sowie für die Niederlagen 8,75 oder 8,50.

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